Ein Versprechen

Ein Wort für jede Kleinigkeit
die ich auf meinem Wege find‘
das hält mein Geist gewiss bereit.
Denn Sprache ist ein Wunderkind.

Auf meinem Wege fand ich Dich
Und suche nicht mehr anderswo.
Seit ich dich habe, fühl‘ ich mich
– oh Worte, nun verlasst mich nicht!
Wie klingt es, wenn das Herzlein spricht?
Du machst mich sprachlos. Machst mich froh.

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Sei Mein

Ich bin meine Dunkelheit.
Ich bin meine Einsamkeit.

Ich bin meiner Hoffnung Grab.
Ich bin, was ich geschaffen hab.

Du bist das, was ich nicht sehe.
Du bist, was ich nicht verstehe.

Du bist die Absenz von Licht.
Du bist Leere. Du bist nicht.

Sei mein Warten auf ein Zeichen!
Sei mein Wunsch, von dir zu weichen!

Sei mein Fragen nach dem Sinn!
Sei mein Verlust! Sei mein Gewinn!

Sei meine Hoffnungslosigkeit!
Sei meine tiefe Müdigkeit!

Sei Du meine Dunkelheit!
Sei Du meine Einsamkeit!

Sei mein Glück! Sei meine Pein!
Sei Hier! Sei Jetzt! Sei Ich! Sei Mein!

Kathrin Graneis | August 2015

Heimat

Hier bleib‘ ich, und geh nie mehr fort.
Es sei mein allerletzter Ort.
Ich suchte lange nach dem Glück,
Mit meinem Herzen stets am Steuer
Am Ende aller Abenteuer
Trug es mich dann zu Dir zurück.

Lass mich bitte bei Dir sein!
Ohne Dich bin ich allein –
Stets in der Fremde, nie daheim.

Kathrin Graneis | Mai 2015

Heimatlos

Was ist Heimat?
Ein Gefühl, ein Geruch, ein Geschmack,
eine Stimme, ein Wort, ein Dialekt?
Hier werden wir geboren,
dort sind wir aufgewachsen.
Unsere Wurzeln vergessen wir nie,
doch leben, lieben und lachen können wir überall.
Was ist Heimat?
Wir fühlen uns überall zuhause,
sind aber nirgends daheim.
Wortlos.
Lautlos.
Heimatlos.

Kathrin Graneis | Mai 2015

[…]

Es sind Gedanken, die mich tragen,
Gedanken, schmerzhaft durch die Fragen
die mir auf der Seele brennen,
da ich dich seh, doch nicht allein:
uns beide mein ich, zu erkennen.
Als könnten wir zusammen sein.

Und immer wieder stell ich Dir
dieselben Fragen. Und in mir,
da hoff ich still, dass irgendwann
wenn ich Dir gegenübersteh
ich dir die Fragen stellen kann
und Deine Antworten versteh‘.

Es sind Gedanken, die mich tragen,
Gedanken an Dich, die mich jagen.
Ich vermag nicht, still zu steh‘n
doch sehn ich mich danach, zu rasten!
Denn ich hab Angst, unter zu geh’n
im Strudel der Gedankenlasten.

Oktober 2011 | Kathrin Graneis

Eine Feststellung

Das Leben hat mich reich beschenkt
mit Reichtum, Witz, Prestige, Talent, …
nicht unbedingt. Doch sicherlich
ist das fürs Glück nicht wesentlich.

Ja, mir geht’s so richtig gut.
Ich bin nicht schön, noch bin ich klug
und führ‘ ein Leben, das gewiss
im Ganzen sehr durchschnittlich ist.

Ich hab es wirklich gut im Leben.
Muss nicht nach Ehr‘ und Anseh’n streben
und gier nicht nach dem Hauptgewinn,
da ich einfach zufrieden bin.

2011 | Kathrin Graneis

Ein Hauch von Frieden

Die goldene Septembersonne tauchte den kleinen, sonst so dunklen und traurigen See in ein atemberaubendes Herbstlicht und die Szenerie in eine eigentümliche Atmosphäre.
Es war pure Schönheit, die sich dem Mädchen zeigte, und in der Ruhe dieses einmaligen Moments offenbarte sich ihr eine kleine Brise eines vollkommenen Gefühls des Friedens. Ein Gefühl, das in seiner Seltenheit so kostbar, doch in seiner Kurzweiligkeit so schmerzhaft ist. Ein Gefühl, das sie weder kommen noch gehen sah, doch nachdem sie eine Weile verharrt war, den See zu betrachten, merkte sie, dass es schon längst wieder vergangen war. Doch konnte sie den Blick nicht abwenden – warum? Sie selbst stellte sich die Frage ein ums andere Mal. Warum ist Schönheit so anziehend, so fesselnd? Warum muss der Blick auf sie gerichtet bleiben? Will man sie aufnehmen? Sicher gehen, genau dieses Bild nicht mehr zu vergessen? Jedes Detail bemerken? Ist es ein Versuch, diesen Eindruck der Vollkommenheit aufzunehmen und auf sich selbst zu übertragen? Ihn immer bei sich zu tragen? Oder ist es einfach nur dieses Gefühl, das man konservieren möchte…
Dieser kurze Einblick in eine ruhige, schöne Welt, diese Ästhetik, dieser vollkommene Frieden, der Einklang von Gefühls-, Gedanken und wahrgenommener Welt. Dieser Eindruck, den man erst realisiert, wenn er längst verschwunden ist. Der sich so niemals wiederherstellen lässt. Und doch klammert man sich daran, und kann die Augen nicht abwenden, als läge dieser Frieden tatsächlich irgendwo in diesem Bild.
Als wäre er eines jener kleinen Details, das erst bei bewusster Wahrnehmung seine volle Pracht entfalten kann.
Als müsste man den Frieden erst vollkommen begreifen, um ihn zu erleben.

Sept. 2011 | Kathrin Graneis