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Es sind Gedanken, die mich tragen,
Gedanken, schmerzhaft durch die Fragen
die mir auf der Seele brennen,
da ich dich seh, doch nicht allein:
uns beide mein ich, zu erkennen.
Als könnten wir zusammen sein.

Und immer wieder stell ich Dir
dieselben Fragen. Und in mir,
da hoff ich still, dass irgendwann
wenn ich Dir gegenübersteh
ich dir die Fragen stellen kann
und Deine Antworten versteh‘.

Es sind Gedanken, die mich tragen,
Gedanken an Dich, die mich jagen.
Ich vermag nicht, still zu steh‘n
doch sehn ich mich danach, zu rasten!
Denn ich hab Angst, unter zu geh’n
im Strudel der Gedankenlasten.

Oktober 2011

Eine Feststellung

Das Leben hat mich reich beschenkt
mit Reichtum, Witz, Prestige, Talent, …
nicht unbedingt. Doch sicherlich
ist das fürs Glück nicht wesentlich.

Ja, mir geht’s so richtig gut.
Ich bin nicht schön, noch bin ich klug
und führ’ ein Leben, das gewiss
im Ganzen sehr durchschnittlich ist.

Ich hab es wirklich gut im Leben.
Muss nicht nach Ehr’ und Anseh’n streben
und gier nicht nach dem Hauptgewinn,
da ich einfach zufrieden bin.

Ein Hauch von Frieden

Die goldene Septembersonne tauchte den kleinen, sonst so dunklen und traurigen See in ein atemberaubendes Herbstlicht und die Szenerie in eine eigentümliche Atmosphäre.
Es war pure Schönheit, die sich dem Mädchen zeigte, und in der Ruhe dieses einmaligen Moments offenbarte sich ihr eine kleine Brise eines vollkommenen Gefühls des Friedens. Ein Gefühl, das in seiner Seltenheit so kostbar, doch in seiner Kurzweiligkeit so schmerzhaft ist. Ein Gefühl, das sie weder kommen noch gehen sah, doch nachdem sie eine Weile verharrt war, den See zu betrachten, merkte sie, dass es schon längst wieder vergangen war. Doch konnte sie den Blick nicht abwenden – warum? Sie selbst stellte sich die Frage ein ums andere Mal. Warum ist Schönheit so anziehend, so fesselnd? Warum muss der Blick auf sie gerichtet bleiben? Will man sie aufnehmen? Sicher gehen, genau dieses Bild nicht mehr zu vergessen? Jedes Detail bemerken? Ist es ein Versuch, diesen Eindruck der Vollkommenheit aufzunehmen und auf sich selbst zu übertragen? Ihn immer bei sich zu tragen? Oder ist es einfach nur dieses Gefühl, das man konservieren möchte…
Dieser kurze Einblick in eine ruhige, schöne Welt, diese Ästhetik, dieser vollkommene Frieden, der Einklang von Gefühls-, Gedanken und wahrgenommener Welt. Dieser Eindruck, den man erst realisiert, wenn er längst verschwunden ist. Der sich so niemals wiederherstellen lässt. Und doch klammert man sich daran, und kann die Augen nicht abwenden, als läge dieser Frieden tatsächlich irgendwo in diesem Bild.
Als wäre er eines jener kleinen Details, das erst bei bewusster Wahrnehmung seine volle Pracht entfalten kann.
Als müsste man den Frieden erst vollkommen begreifen, um ihn zu erleben.

Sept. 2011

An manchen Tagen (2010)

An manchen Tagen, da genügt mir einfach der Gedanke daran, dass Du mein bist.
Und ich denke an nichts anderes. Und ich bin glücklich.
Dann frage ich mich, wie man überhaupt noch glücklich sein kann ohne diesen Gedanken.
Was es gibt nach dem Gedanken. Kann es mich ohne ihn geben?
Was war ich denn ohne ihn? War ich?

Und an manchen Tagen, und das sind weit mehr, da weiß ich, dass ich Dich nicht habe.
Und vielleicht werde ich Dich nicht haben.
Denn gefunden habe ich Dich nicht. Noch nicht.
Und ich frage mich, was ich bin. Ohne Dich. Und was wäre ich?
Was wärst Du? Brauchst Du mich?

© Kathrin Graneis