Die goldene Septembersonne tauchte den kleinen, sonst so dunklen und traurigen See in ein atemberaubendes Herbstlicht und die Szenerie in eine eigentümliche Atmosphäre.
Es war pure Schönheit, die sich dem Mädchen zeigte, und in der Ruhe dieses einmaligen Moments offenbarte sich ihr eine kleine Brise eines vollkommenen Gefühls des Friedens. Ein Gefühl, das in seiner Seltenheit so kostbar, doch in seiner Kurzweiligkeit so schmerzhaft ist. Ein Gefühl, das sie weder kommen noch gehen sah, doch nachdem sie eine Weile verharrt war, den See zu betrachten, merkte sie, dass es schon längst wieder vergangen war. Doch konnte sie den Blick nicht abwenden – warum? Sie selbst stellte sich die Frage ein ums andere Mal. Warum ist Schönheit so anziehend, so fesselnd? Warum muss der Blick auf sie gerichtet bleiben? Will man sie aufnehmen? Sicher gehen, genau dieses Bild nicht mehr zu vergessen? Jedes Detail bemerken? Ist es ein Versuch, diesen Eindruck der Vollkommenheit aufzunehmen und auf sich selbst zu übertragen? Ihn immer bei sich zu tragen? Oder ist es einfach nur dieses Gefühl, das man konservieren möchte…
Dieser kurze Einblick in eine ruhige, schöne Welt, diese Ästhetik, dieser vollkommene Frieden, der Einklang von Gefühls-, Gedanken und wahrgenommener Welt. Dieser Eindruck, den man erst realisiert, wenn er längst verschwunden ist. Der sich so niemals wiederherstellen lässt. Und doch klammert man sich daran, und kann die Augen nicht abwenden, als läge dieser Frieden tatsächlich irgendwo in diesem Bild.
Als wäre er eines jener kleinen Details, das erst bei bewusster Wahrnehmung seine volle Pracht entfalten kann.
Als müsste man den Frieden erst vollkommen begreifen, um ihn zu erleben.
Sept. 2011